Jugend debattiert - China zu Gast in Berlin

Neun chinesische Deutschlehrer und - lehrerinnen wurden im Rahmen ihres PAD Hospitationspraktikums zum Basistraining "Debattieren unterrichten" nach Berlin eingeladen.

Die Vertreter der chinesischen DSD II Schulen besuchten die Hauptstadt vom 12. bis zum 16. November 2014.
Das Programm wurde von Tim Wagner von der Humboldt Universität Berlin geleitet und von der ZfA Fachberatung Shanghai organisiert. Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Stiftung Mercator.
Im Mittelpunkt des Projekts standen folgende Ziele: das Curriculum von Jugend debattiert genauer kennenzulernen und zu trainieren, wie man gute Themen findet und über sie debattiert. In den Workshops lernten sie außerdem, wie man seinen Standpunkt darlegt und begründet, auf die anderen eingeht, Bilanz zieht, sich systematisch vorbereitet und Rückmeldungen formuliert.

Nach der DebatteQuelle: Andreas Wolfrum

Durchgeführt wurden die Veranstaltungen im Projektzentrum Berlin der Stiftung Mercator und im Auswärtigen Amt. Dort wurden die Teilnehmer herzlich von Frau Shimizu, Referentin für die PASCH Schulinitiative beim Auswärtigen Amt, willkommen geheißen und sogar beim Debattieren tatkräftig unterstützt. Am Samstagvormittag erwartete die Gruppe ein besonderes Extra: ein Ausflug in die Kuppel des Reichstagsgebäudes.




Ein Bericht von Tang Zhaoyi
(Deutschlehrerin an der Pudong Fremdsprachenschule Shanghai)

Jeden Morgen habe ich mich auf das Seminar gefreut, weil die Seminare von Tim informativ und ansprechend sind, und natürlich auch auf das Essen, bei dem alle zusammensitzen, sich unterhalten und verschiedene asiatische Küchen genießen konnten.
Tims Seminare waren eher praktisch als theoretisch. Durch Spiele und Praxis hat er uns vermittelt, wie eine Debatte läuft, wie eine Rede aufgebaut wird, welches Überzeugungsmittel man in einer Debatte anwenden kann, sowie die Struktur einer Beurteilung über eine Debatte, usw. Was mich besonders beeindruckte, sind die umfangreichen Formen der Einführungen des Themas und die Zusammenarbeit mit den anderen unter Tims Anleitung.

RückmeldungenQuelle: Andreas Wolfrum

Am Anfang wurde über die Formulierung einer Soll-Frage gesprochen. Wir mussten aufschreiben, was uns im Alltag ärgert sowie eine Lösung dazu. Erst nach der Aufgabe war mir bewusst, dass wir eigentlich dadurch eine Soll-Frage selbst gebildet hatten. Gute Fragen wurden an die Tafel geklebt und nachher debattiert, worauf ich stolz war, weil meine Fragen auch daran waren. Kurz danach haben wir eine Mikro-Debatte mit klarer Struktur sofort ausprobiert. Etwas Schwieriges wurde vereinfacht, damit wir den Aufbau einer Debatte schneller kennenlernen und uns dafür einsetzen könnten.

 

Die Einführung der Überzeugungsmittel war einer der Höhepunkte der Seminare. Tim hat es spontan, jedoch schön spannend geleitet. Jeder sollte die größte Erfindung der Menschheit, seiner Meinung nach, mit Begründungen erklären. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Aufgabe uns so viel Spaß machen könnte. Unsere Aufführungen wurden besprochen und wir haben gemeinsam beraten, wie man überzeugender sprechen kann. Am Ende hat uns Tim noch in die Theorie der griechischen Philosophie, die wir dann nicht mehr so schwer fanden, eingeführt. In den letzten zwei Tagen haben wir uns mit der Debatte „Soll die Goldene Woche reformiert werden“ beschäftigt. Jeder hat auf der Bühne debattiert und wurde von den anderen beurteilt.

Standpunkte darlegenQuelle: Andreas Wolfrum

Ich habe zum ersten Mal probiert, wie man mit den Strukturen einer Wettbewerbsdebatte arbeitet. Das finde ich echt spannend. Eigentlich war ich am letzten Tag traurig, dass das Seminar so schnell zu Ende war und ich von allen Abschied nehmen musste. Es waren wirklich schöne fünf Tage, die ich mit meinen Kollegen aus Deutschland sowie aus China verbringen konnte.Durch die Seminare habe ich mich über die Debatte in allen Bereichen gut fortgebildet. Der Verlauf und die Schwerpunkte einer Debatte scheinen mir jetzt klarer und systematisch, und jetzt bin ich schon gespannt darauf, meinen Schülern zu vermitteln, was ich hier gelernt und erfahren habe.

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Wiedersehen mit dieser netten Gruppe und ich danke dem PAD, der ZfA und der Stiftung Mercator für diese ganz wunderbare Chance.


Die Stiftung Mercator ist eine private Stiftung, die Wissenschaft, Bildung und Internationale Verständigung fördert. Sie initiiert, entwickelt und finanziert gezielt Projekte und Partnergesellschaften in den Themenbereichen, für die sie sich engagiert: Sie will Europa stärken, Integration durch gleiche Bildungschancen für alle verbessern, die Energiewende als Motor für globalen Klimaschutz vorantreiben und kulturelle Bildung in Schulen verankern. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie und dem Sitz der Stiftung, fühlt sie sich besonders verpflichtet.