Deutscholympiade 2018: Terracotta, A-Cappella und ein Internet-Star aus NRW

m 14. und 15. April 2018 fand in Xi‘an die 8. Nationale Deutscholympiade (NDO) statt. Die beiden Gewinnerinnen vertreten China auf der Internationalen Deutscholympiade in Freiburg.

Siegerehrung (Foto: Bernd Strobel)

Im Jahr des zehnten PASCH-Jubiläums 2018 war die Fremdsprachenschule der alten Kaiserstadt Xi’an Austragungsort der inzwischen 8. NDO in China. Xi’an war einst der Endpunkt der Seidenstraße und ist berühmt für die nahegelegene Terracotta-Armee, seine 12 Meter hohe und 14 Kilometer lange Stadtmauer sowie für unzählige Nudelspezialitäten. Mit 126 PASCH-Schulen ist China das Land mit dem größten Partnerschulnetzwerk weltweit. Insgesamt lernen mehr als 10.000 chinesische Schülerinnen und Schüler Deutsch. Auf der diesjährigen NDO traten davon die landesweit 65 besten auf den drei Niveaustufen A2, B1 und B2 gegeneinander an. In Rollenspielen, Talkshows, Theaterstücken und weiteren Formaten bewiesen sie nicht nur ihr sprachliches Können, sondern auch ihre Kreativität. Verglichen mit den Vorjahren gab es 2018 deutlich mehr Teilnehmende auf den höheren Niveaustufen. „Natürlich hoffe ich, dass mein Schüler ins Finale kommt“, sagte Lehrerin Chen Weiying von der Fremdsprachenschule Jinan, deren Schüler auf dem Niveau B1 teilnahm. „Ich persönlich lerne auch viel von der Gastgeberschule, beispielsweise wie eine solche Veranstaltung organisiert wird. Außerdem habe ich mich viel mit den anderen Lehrkräften ausgetauscht. Die NDO hat sich zu einer wichtigen Plattform für den Austausch über das Deutschlernen und -lehren entwickelt.“ Nach den schriftlichen Prüfungen und den mündlichen Vorrunden schafften es insgesamt 21 Teilnehmende ins Finale. In neu zusammengesetzten Gruppen beschäftigten sie sich auf Deutsch mit Themen wie „Die Stadt der Zukunft“, „Bike-Sharing“ und „Roboter im Alltag“. Ihre Ergebnisse präsentierten die Finalisten vor der Jury und den Gästen. „Da wir die erste Gruppe waren, waren wir alle sehr nervös“, berichtet Teilnehmer Lu Peizhou (Niveau A2) von der World Foreign Language Academy in Shanghai. „Die Zusammenarbeit bei der Gruppenpräsentation hat mir viel gebracht und ich habe neue Freunde kennengelernt. So eine große Veranstaltung beeindruckt mich, und auch, dass die deutsche Sprache in China tatsächlich boomt.“

Die Gewinnerinnen fahren nach Freiburg

Die aus Vertreterinnen und Vertretern des Goethe-Instituts und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen zusammengesetzte achtköpfige Jury zeigte sich beeindruckt von den Leistungen. Nach dem Finale lobt Steffi Stadelmann, Expertin für Unterricht und PASCH-Projektleiterin am Goethe-Institut China: „Das hohe Sprachniveau hat mich wirklich überrascht und beeindruckt. Und auch die Zusammenarbeit in den Gruppen war sehr gut.“ Dementsprechend schwer fiel der Jury die Entscheidungsfindung. „Die Teilnehmenden liegen extrem eng beieinander“, sagt Stefany Henderson, PASCH-Fachberaterin und DSD-Studienkoordinatorin bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. „Meine Erwartungen wurden übertroffen.“ Am Ende kürte die Jury Zhao Danqi (A2) von der World Foreign Language Academy in Shanghai und Chen Xueke (B2) von der Fremdsprachenschule Wuhan zu den Gewinnerinnen des Wettbewerbs. Die beiden Schülerinnen werden China vom 15. bis 28. Juli 2018 auf der Internationalen Deutscholympiade (IDO) in Freiburg vertreten. Dort kommen 120 Deutschlernende aus 60 Ländern zusammen. „Die IDO wird bestimmt toll“, sagt Chen Xueke. „Man verbringt zwei Wochen in Deutschland und kann Leute aus aller Welt kennenlernen.“ „Ich nehme auf jeden Fall mein FC-Bayern-Shirt mit auf die Reise nach Deutschland. Vielleicht können die Spieler darauf unterschreiben“, lacht Zhao Danqi und erzählt weiter: „Ich würde gern Angela Merkel nach ihrer Wirtschaftspolitik in der Zukunft fragen.“ Vier weitere Teilnehmende der NDO gewannen mit ihren Leistungen Stipendien für einen Sprachkurs in Deutschland: Cheng Xinyi (A2) von der Fremdsprachenfachschule für Industrie und Handel in Shanghai, Wang Haibo (B1) von der Foreign Affairs School in Ningbo, Lu Wenxi (B1) von der Cao Yang No. 2 Highschool in Shanghai und Jiang Haoyuan (B2) von der Fremdsprachenschule Nanjing.

Aus Bamberg nach Xi‘an

Eigens für die NDO war die fünfköpfige A-Cappella-Gruppe Quintessenz aus Bamberg nach Xi’an angereist. Die fünf Musiker begannen ihre Karriere vor mehr als zehn Jahren als Schulband. Auf der NDO führten sie einen Musik-Workshop für die Jugendlichen durch. Den dabei entstandenen NDO-Song präsentierten die Schülerinnen und Schüler bei der Siegerehrung am folgenden Tag. Quintessenz-Sänger Veit ist in Deutschland Musiklehrer. „In Deutschland sind die Schülerinnen und Schüler quirliger, um nicht zu sagen störender“, verrät er. „Die Disziplin hier in China ist wahnsinnig hoch und auch das Bemühen, alles richtig zu machen.“ Die Band verfügt bereits über China-Erfahrung. Im September 2017 sind sie durch mehrere chinesische Schulen getourt und waren damals bereits zu Gast in Xi’an, an der Xi’an Mittelschule Nr. 89. „Es war beeindruckend zu sehen, wie riesig die Schulen sind“, so Veit. „Eine Sporthalle für 5000 Schüler, das ist schon abgefahren.“ Am Abend gaben Quintessenz ein einstündiges Konzert für alle NDO-Teilnehmenden und Gäste. Dort gaben sie eine Zusammenstellung eigener Lieder sowie bekannte deutsch- und englischsprachige Popsongs der letzten Jahrzehnte zum Besten. Nach dem Konzert nahmen sich die Fünf noch Zeit zum Autogrammeschreiben.

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Teilnehmende und Quintessenz singen das NDO-Lied (Foto: Liu Hongbo)

Schulen aus Xi’an gestalten das Programm mit

Neben der Fremdsprachenschule, deren Lehrerinnen und Schüler sich für das Gelingen der NDO mächtig ins Zeug legten, trugen auch die anderen Schulen mit Deutschprogramm in Xi’an am Sonntagvormittag mit einem bunten, deutsch-chinesischen Programm zum Gelingen bei. Zunächst begeisterten Schülerinnen der Fremdsprachenschule mit klassischer chinesischer Musik und eine Gruppe von Deutschlernenden der Schule begab sich mit der Praktikantin Theresa Metzler zusammen auf eine musikalisch-kreative Reise nach Dresden. Siebtklässler der Mittelschule Nr. 89 präsentierten mit großer Spielfreude vier deutsche Sketche, Zehntklässler der zur Jiao-Tong-Universität gehörenden High School sangen und tanzten zu „Edelweiß“ und eine Gruppe aus der Olympic Garden School entführte die Zuschauer mit „Kleiner Junge“ zurück in die Zeit von Heino.

Selfies mit Afu

Für Aufregung unter den NDO-Teilnehmenden sorgte Video-Blogger Afu, dessen Weibo-Kanal und Videos jeder Deutschinteressierte in China kennt. Der fließend Chinesisch-sprechende Afu, mit bürgerlichem Namen Thomas Derksen und seit drei Jahren in Shanghai zu Hause, begleitete für sein neustes Video eine Schülerin aus Chengdu und einen Schüler aus Guangzhou zur NDO. „Ich möchte noch mehr chinesischen Schülern und Eltern zeigen, wie viel Spaß die deutsche Sprache macht und dass man dadurch auch sehr gute Zukunftschancen hat, beruflich und privat“, sagt Afu. „Eine Sprache öffnet viele Türen.“ Nicht nur die Schülerinnen und Schüler standen Schlange für Selfies mit Afu, auch den Deutschlehrerinnen der Fremdsprachenschule Xi’an war die Begeisterung über den prominenten Gast deutlich anzumerken. „Durch soziale Medien kann man viele Leute erreichen“, so Afu weiter. „Ich hoffe, dass ich ein kleiner „Botschafter“ für deutsche Kultur und Sprache in China und für die chinesische Sprache und Kultur in Deutschland sein kann, in beide Richtungen.“

Text: Claudia Kolbe, Goethe-Institut China,

gekürzt & ergänzt von Bernd Strobel, FSB der ZfA in Xi‘an